Die Zünfte wurden in den großen Städten bereits im 12. Jahrhundert gegründet. Sie dienten dazu das Handwerk zu fördern und die gemeinsamen Interessen zu vertreten. Eine Hauptaufgabe war die Qualitätsprüfung der hergestellten Waren.

Im 14. Jahrhundert waren die Zünfte nun soweit ausgebildet, daß sie über eine eigene Gerichtsbarkeit, gewerbepolizeiliche Befugnisse und Art eigene Verwaltung besaßen. Die Handwerker eines Berufsstandes mußten sich innerhalb der Stadt oder der Bannmeile einer Zunft anschließen, denn es gab den 'Zunftzwang'.

In Grebenstein treten die Zünfte das erst Mal 1424 urkundlich auf. Dort wird die Zunft der Wollenweber vom Kapellan der Kapelle in der Freiheit "zu unserer lieben Frau", Johannes Grauwen, mit der Mahlmühle "gelegenn uff deme Stroverdebriche vor Grebinsteyn", gegen einen jährlichen Erbzins von 8 Schillingen schwerer Pfennige Grebensteiner Währung, belehnt. Die Wollenweber waren eine starke Zunft, das sagt auch der Passus im Salbuch, der weiter unten angegeben ist. Diese Zunft hatte schon, entgegen den anderen, einen Zunftbrief vorzuweisen.

1488 waren die Zünfte schon so erstarkt, daß sie nach einer Auseinandersetzung mit dem Rat der Stadt Einfluß auf die Verwaltung der Stadt gewannen. Davon zeugt ein Brief von Landgraf Wilhelm I.

Im Salbuch (=Steuerkataster) von 1455 werden alle zu dieser Zeit ansässigen Zünfte mit ihren Rechten und Pflichten aufgelistet. Durch anklicken der jeweiligen Zunft gelangen Sie von der Übersicht zu den Details einer jeden.

  1. die Schneider

  2. die Fleischhauer

  3. die Bäcker

  4. die Leineweber

  5. die Wollweber

  6. die Bauzunft

  7. die Schuhmacher und Lohgerber

  8. die Schmiede und Schlosser

 

Während der westfälischen Periode 1806 bis 1813, der Regierung unter König Jérome Bonaparte als König von Westfalen, wurde die Gewerbefreiheit eingeführt und alle Zünfte mußten aufgelöst werden. Nachdem Napoleon aber seinen Krieg verloren hatte und der Kurfürst wieder nach Hessen heimkehrte wurden die Zünfte wieder in den alten Stand eingesetzt.

Die Zünfte und der Stadtrat hatten unter anderem auch den zweiten Pfarrer zu wählen. Im Jahre 1902 haben die Zünfte der Leineweber, der Schuster, der Schlosser und Schmiede, der Bäcker sowie der Bauhandwerker nach Pensionierung der zweiten Pfarrers Albert Bödicker den Pfarrer Jacob Liuken de Haan, einen Ostfriesen, ohne Gegenstimmen zum neuen zweiten Pfarrer gewählt.

Nach Auflösung aller Zünfte wurden 1929 die Zunftladen und das gesamte Zunftgut der Zünfte von den alten Obermeister an Christoph Windemuth übergeben, damit dieser sie der Stadt Grebenstein erhalten sollte. Heute sind diese Gegenstände im Ackerbürgermuseum in der Schachtener Straße aufgewahrt und ausgestellt. Dort kann sich jeder Besucher von dem Glanz und der Macht der Zünfte in der alten Zeiten überzeugen. 

 

Die Schneiderzunft

Der folgende Eintrag stammt aus dem ältesten Sabuch der Stadt von 1455 und berichtet über die Schneiderzunft folgendes:

"item wer einn Schneider werdenn sol, muß einem Schultheissen iiij [=4] pfennige gebenn, dem Rade, der kirche den knechtenn nach ihrem herkommenn wissenn sie wol"

1731 gibt die Zunft im Rahmen der Verbesserung der wirtschaftlichen lage folgenden Bericht:

"Zum ersten hat die Schneiderzunft absonderlich weiter nichts zu erinnern, als daß die Punkte ihres Gildebriefes wegen der Puscherei möchten Obrigkeiten Hilfe haben und derowegen die Meister hierdurch großen Schaden erleiden müssen, indem die Last schwer auf dem Handwerk liegt".

Aus der Stadtbeschreibung aus dem Steuerkataster von 1776 geht hervor, daß noch 12 Schneider, 2 Näherinnen, eine Stickerin und eine Stopferin ansässig waren.

1787 werden 12 Schneider, 2 Hosenmacher in der Stadt erwähnt. Nach der Gewerbetabelle von 1847 gibt es in Grebenstein 20 Schneidermeister und Korsettmacher und 19 Gehilfen. 1854/55 waren es 18 Schneider.

Die Fleischhauerzunft (Metzger)

Der folgende Eintrag stammt aus dem ältesten Sabuch der Stadt von 1455 und berichtet über die Fleischhauerzunft folgendes:

"item wer da Inn ihr einung kompt sol dem Schultheissen vier pfennige gebenn, dem Raith dem handtwerk der kirchen nach lude ihrer

item pfennigfleisch sol mann undenn mit einem weissen tuche deckenn unnd were eß sache das der meister ihme solchs zuuerkeuffen verbud, so sol er das nunne verkeuffenn

item Ziegenbock Inn den Osternn unnd nit lenger,

item ein saper bogk von Osternn bis auff Bartholomei unnd nit lenger, oder auff die grossen Kermesse

Hamelfleisch, Rintfleisch unnd Schweinefleisch durch das Jhar aus, sust so sollenn sie rugenn weß noith ist, Inmaßen alß andere handtwerck, unnd das auch verbussen bey den Bussenn vorgerurt

item alle fleisch setzen richter unnd Raith nach seinem wirdenn, außgescheidenn Lamfleisch unnd Ziegenfleisch"

Aus der Stadtbeschreibung aus dem Steuerkataster von 1776 geht hervor, daß noch 3 Metzger ansässig waren. 1787 waren es 2 Metzger. Nach der Gewerbetabelle von 1847 gibt es in Grebenstein 7 Fleischer. 1854/55 waren es 2 Metzger außerdem betrieben 2 Juden neben ihrem sonstigen Geschäft die Metzgerei.

Die Leineweberzunft

Die älteste Mitteilung über diese Zunft stammt aus dem Salbuch von 1455. Darin ist folgendes über die Zunft geschrieben:

"item ist also einn herkommenn unnd gewende, so das die Amptleuthe unnd der Raith uff Sant Micheltag, oder darnach ungeverlich zwene des genantenn handtwercks eydenn unnd machen so dann gewonheit ist zu rugenn, was daß rugbar ist Inn dem genantenn handtwerck, beide ann olen oder an wedeman so das dann alders herkommenn ist. wenn sie dan also rugenn, sol das meinem hernn unnd der stadt verbussen bey ihrer gewonlichenn busse.

nota die breide der flessen sollenn sey xiij [=13] faden, item die schmale ix [9] faden felssen.

item no[ta]: die breide des seydenn tuchs sol sein xi [=11]

Unnd no[ta]: were die Ele zu kurtz, sollenn sie auch rugen.

item no: wer es solche das einer eine Elen zu kurtz hatte, unnd geruget wurde, so sol der das verbussenn, bey der busse vorgerurt, so dicke unnd so viel alß er damit gemessen hette.

item wer da Inn das handtwerck kommenn sol, muß einem Schultheissen iiij [=4] pfennig geben".

Im Jahr 1571 baten die Leineweber den Landgrafen Wilhelm IV. um einen neuen Zunftbrief. Der alte Brief war offenbar verbrannt und das Handwerk dadurch ohne Gesetz. Die Leineweber konnten ihrem Gesuch die Kopie eines Briefes von Landgraf Ludwig [Ludwig I. (1413-1458) oder Ludwig II. (1458-1471)?] beifügen. Der neue, am 8. Januar 1572 ausgestellte und nur im Entwurf überlieferte Brief, weist die Leineweberzunft als Stadt- und Amtszunft aus.

Im Stadtinventar sollen sich einmal 9 Zunftbriefe befunden haben (1488, 1570, 1600, 1635, 1656, 1692, 1731,1753 und 1762). Nur der Zunftbrief von 1753 ist aber erhalten.

Die Aufnahme in die Zunft war immer mit Rechten und Pflichten verbunden. Ein Handwerksmeister mußte ein angesehener Bürger der Stadt sein, seine Wohnung in Stadt oder Amt Grebenstein haben, 3 Jahre sein Handwerk ausgeübt haben, zwei Jahre gewandert sein und durch ein Meisterstück seine Fähigkeiten beweisen können. 1753 betrug die Aufnahme 6 Gulden, wovon nur 1/4 der Zunft zustand. Ein Pfund Wachs mußte an die Kirche geliefert werden, den Meistern 16 Albus und den Knechten einen Albus gegeben werden.

Die Zunft ist auch im sozialen Engagement nicht zu unterschätzen, so wurde einem Meister der eines Meisters Witwe heiratete nur die Hälfte bezahlen, oder der Sohn eines Meister gar nur 8 Albus und ein Pfund Wachs für die Kirche geben. Arbeitete ein Meister für einen anderen Meister durfte er jede 5. Elle für sich behalten (also 20% der Einnahmen gehörten ihm als Lohn). Zunftfremde durften nur unter Buße eingestellt werden.

Es wurde ebenfalls geregelt wie viel Webstühle ein Meister aufstellen durfte. Vier Webstühle waren allen gestattet, jeder weitere mußte mit einem Gulden bezahlt werden. Wer schlechte und unregelmäßige Tuche ablieferte mußte für 20 Ellen je 1 Gulden Buße zahlen, damit die Qualität gewahrt bleiben konnte. Auch bei der Breite der Tuche wurde genau gemessen und so wurden bei denen die zu schmales Tuch lieferten 1 Taler und 4 Heller Strafe kassiert.

Am 18 Juni 1660 wurde über die Absetzung des Gildemeisters Hans Lichtenberg im Hause des Meisters Diedrich Breull unter Beisein der Ältestenmeister verhandelt. Lichtenberg hatte sich im Obersten Krug mit Henrich Wilden ein Wortgefecht geliefert, in deren Verlauf Beleidigungen ausgetauscht worden waren. Das hatte andere Meister gehört und er sollte bestraft werden. Die beiden Meister George Lahr und Rudolf Kannegießer holten die Zunftlade bei ihm ab und er sollte solange "beim ehrbaren Handwerk nicht dulden wollen und können, bis er demselben dieser angeführten Klage halber genugsame Satisfaktion getan habe". Er wurde also ausgestoßen, bis er seine Äußerungen zurückgenommen hatte. Ob und wann Lichtenberg wieder aufgenommen worden ist nichts bekannt, jedoch tritt er zwei Jahre später wieder in Erscheinung. Hans Lichtenberg schien aber sowieso ein sehr streitbarer Mensch gewesen zu sein. 1668 wird bestraft, weil es ihm egal gewesen ist, was der Lehrjunge bei ihm lernt. Die Meister warfen ihm dies vor, er war nicht einsichtig und erschien vor der Lade nicht.

In einer Beschreibung zur wirtschaftlichen Lage der Stadt aus dem Jahr 1731 wird über die Leineweber folgendes gesagt:

"Zum ersten ist deren Beschwerde, daß die Juden Garnhandel so stark einnehmen, daß fast kein Meister ein Stück tüchtig Garn mehr zu Kaufe haben kann, in dem daß die Juden vorher auf Garn austun und sechzehn Stück für einen Reichstaler nehmen und wenig danach sehen, ob das Garn wohl gehaspelt, lang genug und rein gesponnen ist, auch gar wohl die Leute heißen, das Werken und Flachsen, Untereinanderspinnen und damit eines mit dem andern verderben und derowegen die Weberstühle bei uns ledig stehen, dieweil man solche schlechten Waren nicht brauchen, viel weniger verkaufen, da doch die Ware hier wohl kann gemacht werden, wenn das Garn rein und voll gesponnen wäre. Ist also unsere untertänige Bitte, daß den Juden befohlen würde, in unserer Nachbarschaft, als Geismar und Zierenberg, tüchtige Ware einzukaufen, wenn sie solchen Handel treiben sollten, damit wenn es die Meister von ihnen sollten wiederkaufen, das Garn brauchen können, da die Meister für einen Taler kaum zehn bis elf Stücke kriegen, dieweil es auch denen 1683 und 171 ausgegangenen Edikten, daß der Haspel vier Ellen lang sein soll und zwanzig Gebind in ein Stück und sechzig Fäden in ein Gebind sollen gehaspelt werden, dieweil sich diese Stücke lassen besser einteilen, als ein Stück von dreißig Gebinden und ein Gebind von 40 Fäden mehr Schaden bringt, wenn es nicht voll gehaspelt wird, als ein Bind von sechzig Fäden; und müssen die Meister fast mehrenteils auf andere Arbeit legen und davon Nahrung suchen und doch das Handwerk voll versteuern; und so sie auch tüchtig Garn hätten, das ganze Jahr durch auf ihre Stelle arbeiten könnten". 

In jedem Jahr auf den Montag nach Trinitatis wurden neue Meister gewählt  und von den landesherrlichen Beamten verpflichtet.

Die Leineweberzunft besaß einen eigenen mit Bändern verzierten Willkommen (eine Art Ehrenpokal) aus Zinn aus dem Jahre 1697, der Ende des 19. Jahrhunderts von den Mitglieder der Innung an das Landesmuseum nach Kassel verkauft wurde. Die Zunftlade und die Gesellenlade mit alten Meister- und Lehrlingsrollen ist heute im Besitz der Vereins "Ackerbürgermuseum e.V.". Die Zunft war wohl die größte Zunft Grebensteins. Noch 1753 wurden 70 Leineweber und 37 Spinnerinnen gezählt.

Aus der Stadtbeschreibung aus dem Steuerkataster von 1776 geht hervor, daß noch 70 Leineweber und ein Leinenhändler ansässig waren. 1787 waren es 80 Leineweber. 1854/55 waren es noch 54 Leineweber wovon 2 überörtlich arbeiteten.

Die Bäckerzunft

Diese Zunft wird bereits im Salbuch von 1455 erwähnt. Die Abschrift der dortigen Aufzeichnung lautet:

"Item wann unnd so dicke einer Inn dasselb handtwergk kommenn sol, der sol der herschafft iij S. [=3 Schillinge] unnd dem Schultheissenn j S. [=1 Schilling] gebenn der stadt unnd handtwerck nach lauth ihres brieffes

item no: wer Inn diessem handtwerck bussig wurde, nach lauth ihrer brieve sol der herschafft unnd der stadt verbussenn nach der alten gewonlichen busse.

item mögen sie nach laude ihrs brieffs, Irthum under Ihnenn selbst richtenn, außgescheidenn blutrünstig unnd ehre sproche,

item no: alle Ihar mussenn sie rugen zwene ihres handtwercks, alle was da richtbar ist, unnd wer da geruget wurt, sol das verbussen, bey der altenn gewonlichenn bussen.,

item sollenn sie denn mark alß mit brot haltenn unnd backenn pfennigs wert,

item no: sollenn sie backenn von brodt unnd wecken, Inmassenn solchs richter unnd Raith, das iglicher zeit setzenn werdenn unnd erkennenn".

Im Jahre 1554 steht im Salbuch über die Tätigkeiten der Bäcker:

"item sie söllen die stadt schyrnen, mit brot wecken auffrichtig hallten, wöllene daröber straafbar befunden, solls mit 20 alb. verbussen".

Die Zunft hat eine Zunftlade mit den Briefen von 1698 und 1752. Der Willkommen ist ebenfalls erhalten. Auf dem Deckel ruht der hessische Löwe mit einer Bretzel in den Pranken. Am Willkommen hängen schöne alte Münzen, darunter eine von 1648, die anläßlich des Westfälischen Friedens geschlagen wurde.

Aus der Stadtbeschreibung aus dem Steuerkataster von 1776 geht hervor, daß noch 3 Bäcker ansässig waren. 1787 sind es ebenfalls noch 3 Bäcker, die hier ansässig sind.

Nach der Gewerbetabelle von 1847 gibt es in Grebenstein 9 Bäckermeister und 9 Gehilfen. 1854/55 waren es 12 Bäcker.

Die Wollweberzunft

Der folgende Eintrag stammt aus dem ältesten Sabuch der Stadt von 1455 und berichtet über die Wollweberzunft folgendes:

Item das handtwerck der wollenweber hat freyhung unnd gnade vor der herschafft, nach lauth unnd Inhalt siegel unnd brieve, die wir dann also gesehen habenn, unnd ist die meinung. Wer Inn dasselb handwerck kommenn sol, der sol echt unnd recht sein, unnd sein handtwerck wol kennenn, unnd sol meins hern Schultheissen gebenn vj [=6] pfennige, der stadt dem gotshause unnd dem handtwerck gebenn nach lauthe deß genantenn siegel unnd brieves. Unnd auch so sollenn dieselbenn ihr handtwerck uffrichtig treibenn, unnd handt habenn, solchs sollenn die meister des genantenn handtwercks, die also von einem Schultheissenn und Raith zu Grebenstein gekornn, unnd auff eines iglichen Sant Michels tagk erwelt wordenn vertrawenn. Auch were es sache das sie also tuche machten die nit uffrichtig werenn, solchs tuchs sollenn sie Inn der stadt nit verkeuffen. Dann so dicke das geschehe, so sollenn sie die Jehnigen die solchs thetenn meinem hern verbussen mit v S. [=5 Schillinge] lychten unn der stadt auch soviel,

item sprechenn die vonn Grebenstein, alß umb den weinzapffen, die hain sie vonn aldersher Innegehapt, unnd seindt nu also meins hernn, Alß sie sich dann deß mit seinenn gnaden vertragen habenn, mit namenn wann und welche zeit sie weinschenckenn, was weins deß ist, des gebenn sie meinem herrenn vonn yedem fuder iij [=3] guldenn. Unnd wers sache das sie Rommeney [=ausländischer Rotwein] oder sonst daselbst welchenn wein schenckenn vonn denn beidenn mustenn sie mehr gebenn,

item no: so hann etliche burger Rommeney itzt geschenckt die han vonn einer betenn [=Flasche] Rommeney iij [=3] gulden gebenn".

Diese Zunft taucht im 17. Jahrhundert nicht mehr auf. Anzunehmen ist, daß sie sich mit den Leinewebern zusammengeschlossen hat oder eventuell sogar ganz verschwunden ist, nachdem der Leinenhandel und -gebrauch enorm zugenommen hatte und somit den Wollhandel vertrieben hatte.

Die Schuhmacher und Lohgerberzunft

Der älteste vorhandene Zunftbrief ist von Landgraf Moritz im Jahre 1596 ausgestellt worden. Für diese Zunft gab es besondere Regelungen, die in dieser Urkunde aufgelistet sind. So durfte nur der Häute kaufen, der der Löberzunft angehörte, sonst mußten 20 Albus Strafe gezahlt werden. Es durften auch keine gestohlenen oder geraubten Häute gekauft werden sonst mußten ebenfalls 20 Albus Strafe gezahlt werden. Zur Qualitätssicherung wurden die Meister dazu aufgefordert öfter die Häute zu besichtigen und bei schlechter Gerbung eine Strafe und Buße verhängen. Ebenfalls sollte ein Meister keine Häute von einem anderen Meister kaufen und dann außerhalb der Stadt weiterverkaufen. Jeder Schuhmacher durfte nicht mehr Häute kaufen wie er verarbeiten kann. Außerhalb des freien Marktes sollte auch keine Meister "schuh feill haben oder tragen, der nit zünftig seye".

Folgende Verbesserungen schlägt die Zunft 1731 zur Hebung der wirtschaftlichen Lage vor:

"Die Schuhmacher- und Lohgerberzünfte stellen vor, daß die Beschwerde der Ungelder (=außerordentliche Steuer) schwer auf ihrem Handwerk liege, so daß ein jeder alle Monat 8 Albus Kontribution vom Handwerk geben muß, ohne Steuern und andere Gelder welche noch beneben fallen und da doch ein Meister von seiner Handtierung allein nicht leben kann, sondern des Ackerbaues sich bedienen muß, welches dann auch allhier große Beschwerden hat. So nehmen die Juden den rauhen Lederkauf so stark ein, daß fast kein Schuhmacher oder Lohgerber eine Haut mehr haben kann".

Die Zunft hatte eine Zunftlade und in die Zunftbriefe der Jahre 1596, 1731 und 1797. Sie hatte einen Willkommen von 1817 mit alten Münzen verziert. Im Jahre 1753 befanden sich in der Stadt 14 Schuhmacher, 3 Schuhflicker und 3 Lohgerber.

Die Lohgerber hatten eine sogenannte Lohmühle vor den Toren der Stadt neben dem Hospital.

Aus der Stadtbeschreibung aus dem Steuerkataster von 1776 geht hervor, daß noch 3 Lohgerber, ein Riemer, 14 Schuhmacher, 2 Weißgerber und 3 Schuhflicker ansässig. 1787 sind es 14 Schuster, 2 Lohgerber, 2 Schuhflicker, 2 Weißgerber und ein Riemer.

Nach der Gewerbetabelle von 1847 gibt es in Grebenstein 5 Gerbermeister und 6 Gehilfen, 20 Schuhmachermeister und 30 Gehilfen und 8 Riemer- und Sattlermeister und 3 Gehilfen. 1854/55 waren es 15 Schuhmacher, 4 Lohgerber und 7 Riemer.

Die Bauzunft

Die Bauzunft umfaßte alle Handwerker des Baugewerbes und wurde 1750 neu gegründet. Sie hatte eine Zunftlade und einen Willkommen aus dem Jahre 1781, der mit einer stattlichen Anzahl alter Münzen behangen ist. Ebenfalls erhalten ist eine alte Weinkanne aus dem Jahr 1782. Der Obermeister dieser Zunft führte anstatt einer Schelle (Glocke) ein Zepter, das zur Herstellung der Ruhe und Aufmerksamkeit diente. Mißachtungen wurden mit erheblichen Strafen bis zu einem Reichstaler, geahndet.

das Zepter der Bauzunft

1753 waren in der Stadt 3 Maurer, 4 Zimmerleute, 2 Schreiner, 2 Drechsler, 2 Wagner und 2 Weißbinder wohnhaft.

Aus der Stadtbeschreibung aus dem Steuerkataster von 1776 geht hervor, daß noch 2 Fenstermacher, 3 Maurer, 3 Schreiner, 2 Wagner, 2 Weißbinder, 1 Ziegelbrenner und 4 Zimmerleute ansässig.

1787 sind es ein Fenstermacher, 3 Maurer, 3 Schreiner, 2 Wagner, 2 Weißbinder, 1 Ziegelbrenner, 2 Drechsler, 3 Schreiner und 4 Zimmerleute.

Nach der Gewerbetabelle von 1847 gibt es in Grebenstein 17 Tischlermeister und 10 Gehilfen, 5 Stellmachermeister und 1 Gehilfen, 2 Drechslermeister und 2 Gehilfen, einen Maurermeister und 5 Gehilfen, einen Ziegeldeckermeister und 2 Gehilfen, 17 Tischlermeister und 10 Gehilfen und einen Pflasterermeister und 2 Gehilfen.

Bei der statistischen Erhebung zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in den Jahren 1854/55 gab es noch 4 Wagner, 7 Weißbinder, 14 Schreiner, wovon einer überörtlich arbeitete, 2 Maurer, 1 Drechsler, 2 Glaser, einen Dachdecker, 3 Steinbrecher, einen Lehmsteinhersteller und einen Ziegelbrenner.

Die Schmiede- und Schlosserzunft

Diese Zunft gehört sicher mit zu den ältesten Zünften der Stadt, wenn sie auch im Salbuch von 1455 nicht erwähnt wurde. Sie hat eine Zunftlade mit den Zunftbriefen von 1659, 1709, 1731, 1762 und 1790. Ebenfalls ist der Willkommen von 1746 noch erhalten, der mit vielen Münzen behangen ist. Am Deckel ist eine besondere Münze aus Dukatengold angebracht. Ebenfalls erhalten haben sich Trinkbecher aus Zinn, die den Meistern gehörten.

1731 macht die Zunft folgende Vorschläge zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage:

"Unsere Beschwerde ist, daß unser Handwerk auf dem Lande im schlechten Stande ist, daß wir fast im ganzen Jahr keinen baren Taler verdienen, sondern unsere Arbeit besteht darin, daß wir nur unseren Feldbau damit ausstellen und doch monatlich 40 Gulden in der Kontribution versteuern müssen und derowegen die Last schwer auf den Handwerkern liegt. So werden die Kohlen nunmehro so teuer, daß wir Schmiede und Schlosser es fast nicht ertragen können, indem, daß der Förster von Veckerhagen uns Schmiede zu Grebenstein das Holz, das zu Kohlen oftmals ganz untüchtig ist, denn die fremden Holzhauer wälzen solche Stücke in die Klafter, daß es keine Möglichkeit ist, durch drei oder vier Mann zu heben, da wir doch vorher, da uns das Holz angewiesen ist, die Klafter haben selbst machen können, damit wir es dann so verarbeitet haben, daß wir zu unserem Nutzen haben brauchen können.

Dem ganzen Handwerk ins gemein ist Beschwerde, daß ihnen ab 1730 von den Beamten anbefohlen worden, auf den Punkt das neue Zunftreglement ein jeder seine Pitschaft (=Siegel) bei hoher Strafe auf das Rathaus liefern muß, da wir doch denselben über hundert und mehr Jahre in geruhiger Posession (=Besitz) gebraucht haben, und da wir auch dieselben anders nicht gebrauchen, als wenn wir ein actum (=Schriftstück, Verfügung) einem Lehrknaben mitteilen, dabei wir uns vorstellen, daß kein Soldat ohne Degen bestehen kann, also auch keine Zunft ohne Pitschaft, mit welchen sie, da sie aufgerichtet worden, berechtigt sind. Es haben die vorangezogenen Motive sämtl. Bürgerschaft nebst Zünfte und Gilden Eu[re] Hochkönigliche Majestäten, unserm allergnädigsten Könige und liebsten Landesfürsten und H[errn], in untertänigstem Nachsuchen präsentieren und vorstellen wollen, wie und welcher Gestalt der Ruin des gemeinen Wesens ganz unterwürfig gemacht worden, als[o] getrösten wir uns der vorbeschriebenen Punkte gnädigster Erhörung.

N.B. Weil noch ein notwendiger Punkt zu erinnern ist, wird [e]s Euer Majestät nicht ungnädig nehmen, wie daß wir nur zwei Franzosen hier haben, die nur Hökerware (=Kleinhandel, Kramhandel) feil haben und sie nach ihrem Belieben geben, wie sie wollen, dadurch dann die ganze Bürgerschaft gedrückt wird, zudem sie es dahin gebracht, daß keine Ware hier mehr feilgetragen werden darf, da es doch von undenklichen Jahr her [ge]bräuchlich gewesen, nur daß sie ihre Ware desto besser los und desto teurer verkaufen mögen".

Zunftbrief der Schmiede und Schlosser von 1790

1753 übten 4 Schmiede, ein Schlosser und ein Büchsenmacher in der Stadt ihren Beruf aus.

Aus der Stadtbeschreibung aus dem Steuerkataster von 1776 geht hervor, daß noch ein Schlosser, 4 Schmiede und ein Büchsemacher ansässig. 1787 sind ein Büchsenmacher, 2 Schmiede und ein Schlosser ansässig.

Nach der Gewerbetabelle von 1847 gibt es in Grebenstein 4 Schmiedemeister und 4 Gehilfen und 3 Schlossermeister und 3 Gehilfen. In der Statistik zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Jahre 1854/55 gab es 5 Schmiede und 3 Schlosser in der Stadt.