Schäfer

Ernährungsgrundlage für die Schafherden waren die weitflächigen Heidegebiete und die Brachen der Dorfmark. Die Heidschnucken erreichten ein Lebendgewicht von ca. 60 Pfund und lieferten einen Wollertrag von etwa eineinhalb bis zwei Pfund. Die Dorfschäfer hielten sich Tag und Nacht bei ihren Herden auf. Nachts wurden die Heidschnucken in die Hürden getrieben. Die Hürden bestanden aus Lattengestellen, die von Ort zu Ort transportiert werden konnten und nachts von den Schäferhunden bewacht wurden. Der Schäfer selbst legte sich über Nacht in seinen mit Stroh bedeckten Hirtenkarren.

Die Schäfer hatten streng auf die Hutegrenzen zu achten, da es zwischen den Dörfern darüber oft zu Streitigkeiten kam. Um die Eichenschonungen und Saatäcker vor den Schafherden zu schützen, umzog man diese mit dornenbewehrten Wällen und Gräben und sperrte die Zufahrten durch Schlagbäume.

Schafe im Pferch

1731 wird beklagt, daß "sich die Schafe alhier so stark gehäuft, daß dadurch viel Schaden geschieht, auch unser gemeines Vieh fast dadurch veerschmachtet, Anger und Weiden damit weggehütet und das gemeine Vieh keine Nahrung haben kann, da doch der Bürger und Ackermann Wasser und Weide stark versteuern muß".

Die Hutegrenzen wurden 1776 mit der Hute- und Weidegerechtigkeit sowie der Koppelhude für Grebenstein wie folgt beschrieben:

"Die Hute- und Weidegerechtigkeit hat die hiesige Stadt sowohl in ihrer gesamten Feldflur als einigen besonders abgebundenen Distrikten des herrschaftlichen Reinhardswaldes, sodann in etwas Koppelhude mit der Stadt Immenhausen und den Dorfschaften Calden, Schachten und Ostuffeln. Diese sämtlichen Huden aber sind zu Unterhaltung des Viehes bei weitem nicht anreichig, zumal die Huden in dem Reinhardswalde allzuweit abgelegen, dahero dann das Vieh beständig auf den Ställen gefüttert werden muß".

Zur oben genannten Hute- und Weidegerechtigkeit kommt dann noch, speziell auf die Schafhaltung bezogen, die Schäfereigerechtigkeit. Hier heißt es 1776:

"Hiesige Stadt ist mit der Schäfereigerechtigkeit versehen, und darf jeder Bürger, wenn solcher in der Ringmauer wohnt, und mit Ländereien angesessen ist, so viel Schafe halten, als er nur will und kann.

Die Müller und sonst außer der Mauer wohnende Personen aber, solche auch gleich mit Feldbau versehen sind, dürfen keine Schafe halten. Und sind der Zeit 12 Pfieche[=Pferche] allhier, davon: außer dem Motzischen Hufen, von welchem der Trifthammel, einem zeitigen Metropolitano zukommt, und zwar jedem, insonderheit die gewohnliche Trift-jura [=Triftgebühren] zur Renterei Grebenstein entrichtet werden. Wenn aber einer dieser Pfieche über 200 Stück alt Schafvieh beim Hammelschnitt enthält, muß noch außer dem gewöhnlichen Pfiech ... jedes Stück mit 6 Heller verteilt werden".

Im Jahre 1776 sind laut der Katastervorbeschreibung 9 Schäfer in städtischen Diensten.

die Grebensteiner Schäfer

  1. Christoffel Pfeiffer (*Grebenstein um 1535, *Grebenstein nach 1584).
  2. Brix Tietz(en). Als Schäferknecht im Jahr 1607 genannt.
  3. Johann Mützen. Als Schäfer genannt 1628 und im Juni 1630. Er hat im Jahr 1628 den Betrag von 30 Taler zu den Kriegsschulden beizutragen.
  4. Hans König. Schäfer bei Commisari Johannes Heise 1651 bis 1654.
  5. Diederich Knippenberg (*Grebenstein um 1635, +Grebenstein 7. November 1690).
  6. Hans Wilhelm (+Grebenstein vor Ostern 1670).
  7. Jost Thöne (*Eberschütz um 1655, +Grebenstein 22. September 1728). Er war Schäfer beim herrschaftlichen Pächter Christoph Köster.
  8. Johann George Thöne (*Grebenstein 7. Juli 1667, +Grebenstein vor 1724).
  9. George Herbold (*Grebenstein 24. Juli 1668, +Grebenstein vor 1731). War Schäfer beim Rentmeister Arstenius.
  10. Johann George Beyer (*um 1675). Schäfer beim herrschaftlichen Pächter (1701).
  11. Johannes Seelhast (*1678, +Grebenstein 7. Oktober 1733). Er war Schäfer beim herrschaftlichen Conductor Günther Zufall.
  12. Johann George Deichmann (*Grebenstein um 1695, +Grebenstein nach 1748). 1748 wird ihm das Beiwohnergeld erlassen, da er ein "alter abgelebter Mann, der dieses Jahr meist krank in Hofgeismar gelegen hat" ist.
  13. Lucas Seelhast (*Grebenstein Mai 1704, +Grebenstein 2. Januar 1757).
  14. Stephan Büße (*1708, +Grebenstein 18. Februar 1776). War auch Pförtner auf einem der Stadttore.
  15. Johann Caspar Knauf (*Grebenstein 9. September 1708, +Grebenstein 17. Oktober 1779).
  16. Cyriakus Atlen (*Grebenstein 21. August 1712, +Grebenstein 14. Oktober 1761). Schäfer bei Schultheiß Kersting.
  17. Johann Christian Guthmann (*Grebenstein 1716, +Grebenstein 27. Juni 1791). Er wohnte in der Höllegasse.
  18. Johann George Deichmann  (*Grebenstein um 1720, +Grebenstein 5. Februar 1774).
  19. Christian Thöne (*Grebenstein 1721, *Grebenstein 10. November 1790).
  20. Johannes Herbold (*Grebenstein 1723, +Grebenstein 10. November 1777). War auch Stadtdiener.
  21. Johannes Deichmann (*Grebenstein 6. Mai 1723, +14. Juli 1792). Über diesen Mann gibt es wegen seiner Trinkerei zu berichten. An "d. 22. Februar 1759; Schäfer Johannes Deichmann, daß selbiger sich öfters vollsaufe und in Trunkenheit seine ganze Herde Schafe verkauft und dadurch der Obrigkeit viele Last gemacht 2 Rthlr. 1 alb." und an "d. 29. August 1759; Johannes Deichmann, daß selbiger im Wirtshause von der Obrigkeit ungebührlich gesprochen und desfalls angelegten Arrest violiert 26 Rthlr."
  22. Conradt Seelhast (*Grebenstein 20. Juli 1728, +Grebenstein 30. Juni 1795). War auch Ackermann.
  23. Johann George Deichmann (*Grebenstein 13. März 1739, +nach 1777). Er bekommt 1773 von der Stadt Geld, um sein Haus mit einem neuen Ziegeldach decken zu können.
  24. Johann Henrich Thöne (*Ostheim 1740, +Grebenstein 1823). War auch Ackerknecht.
  25. Johann Conrad Büse (*Grebenstein 20 Juni 1742).
  26. Conrad Deichmann (*Grebenstein 2. Oktober 1746, +nach 1783).
  27. Helwig Thöne (*Ostheim 1748, +Grebenstein 29. Januar 1809).
  28. Johann George Schwarz (*Grebenstein 8. Januar 1748, +Grebenstein 1813). Er war auch nicht näher spezifizierter Hirte.
  29. Conrad Knauff (*1750, +Grebenstein 30. März 1784).
  30. Johann Christoph Deichmann (*Grebenstein 28. Oktober 1748, +nach 1795).
  31. Johannes Seelhast (*Grebenstein 1750, +Grebenstein 25. April 1810). War auch Ackermann.
  32. Johannes Thöne (*Grebenstein 17. April 1751, +Grebenstein 13. Januar 1794).
  33. Johann Henrich Deichmann (*Grebenstein 10. November 1755). Er ist Kostschäfer bei Prokonsul Melcher.
  34. Johann Friedrich Deichmann (*Grebenstein 3. Dezember 1757, +Grebenstein 25. Juni 1821).
  35. Johann Christoph Jordan (*Grebenstein 13. Dezember 1757, +Grebenstein 29. Juni 1834).
  36. Anton Hunold (*3. Januar 1763). War 1791 auch Soldat.
  37. Asmuth Drengenberg (*Grebenstein 16. April 1766, +Udenhausen nach 1824).
  38. Johann Christoph Thöne (*Grebenstein 15. Juli 1766, +Grebenstein 14. November 1809).
  39. Johann George Deichmann (*Grebenstein 7. Dezember 1766, +nach 1808).
  40. Conrad Deichmann (*Grebenstein 7. Mai 1768, +nach 1800).
  41. Johannes Deichmann (*Grebenstein 14. Juni 1770). War Schäfer zu Frankenhausen.
  42. Christian Thöne (*Grebenstein 3. Mai 1774, +Grebenstein 29. Juli 1840).
  43. Johann George Deichmann (*Grebenstein 3. November 1775, +Grebenstein 21. Juli 1853).
  44. Johannes Herbold (*Grebenstein 10. Oktober 1777, +Grebenstein 1816).
  45. Conrad Seelhast sen. (*Grebenstein 13. Juni 1778, +Grebenstein 1862).
  46. Johann Georg Herbold (*Grebenstein 18. Mai 1783, +Grebenstein vor 1823).
  47. Johann Conrad Deichmann (*Grebenstein 24. November 1796, +Grebenstein 14. April 1855).
  48. Friedrich Thöne (*Grebenstein 24. Dezember 1800, +Grebenstein 2. April 1873).
  49. Georg Heinrich Thöne (*Grebenstein 19. Oktober 1803, +Grebenstein 18. Januar 1882).
  50. Johannes Thöne (*Grebenstein 21. Februar 1807, +Grebenstein 20. September 1878).
  51. Johann Jacob Deichmann (*Grebenstein 9. Januar 1819, +Kassel 3. Januar 1873).
  52. Johann Heinrich Deichmann (*Grebenstein 8. Juli 1824, +Grebenstein 13. Dezember 1906).
  53. Johannes Thöne (*Grebenstein 20. Februar 1829, +Grebenstein 23. August 1904).
  54. August Wilhelm Friedrich Böger (*Bodenfelde 6. Juni 1844, +Grebenstein 18. August 1889).
  55. Christoph August Thöne (*Grebenstein 26. Februar 1851, +Grebenstein 27. Januar 1912).
  56. Johann Conrad Deichmann (*Grebenstein 13. August 1853, +Grebenstein 19. September 1943).
  57. Carl Deichmann (*Grebenstein 6. August 1875, +Grebenstein 29. Dezember 1948).

 

Schäfer beim Obristen Motz und beim Vizekanzler Motz ("Motzischer Schäfer")

Die "Motz'schen Schäfer" hatten eine Sonderstellung unter den Schäfer. Sie waren keine städtischen Bediensteten sondern nahmen ihre Aufgabe als Schäfer für die Familie Motz auf deren Meiergut in der Stadt wahr.

Der Obrist Kristian Motz aus Immenhausen war ein vermögender Mann. Aus dem Grebensteiner Amtsrechnungen von 1664 ist seine Besoldung als Oberamtmann zu ersehen. Er bekam in dem genannten Jahr an Besoldung 100 Gulden, 28 Viertel Roggen [=2,1 Tonnen], 80 Viertel Hafer [=6 Tonnen], 18 Viertel Gerste [=1,935 Tonnen], 1 Viertel 4 Metzen Erbsen, 4 Metzen Rübsamen, 1 Metze Salz [=7,5 Liter], 4 Fuder Heu, 10 Hühner, 35 Hähne, 10 Steigen Roggenstroh.

die Motzischen Schäfer

  1. Jacob Gratia (*um 1632, +nach 1670).
  2. Henrich Knüppel (*Grebenstein um 1637, +nach 1668).
  3. Brix Kunzemann (*Immenhausen um 1660, +nach 1695).
  4. Conrad Deichmann (*Grebenstein 1709, +Grebenstein nach 1760).
  5. Conrad Deichmann (*Grebenstein 7. Januar 1733, +nach 1771).
  6. Henricus Schaub (*Grebenstein 2. November 1734, +nach 1771).

 

Hirten

Im Jahre 1731 werden von den Zünften Ratschläge zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage gemacht. In einem Auszug wird auch von der Hute im Reinhardwald in Zusammenhang mit den neuangesiedelten Refugeés, den Hugenotten, in den Reinhardswald-Dörfern gesprochen. Dort heißt es:

"2. Haben die vor einigen Jahren in Land kommenen Franzosen namens Karlsdorf, Mariendorf und Kelze die Grenzen unserer Felder, Holz- und Waldhuten für unser Vieh stark eingenommen, wogegen uns zwar von Ihro Durchlaucht, unsers seligst verstorbenen und sehr liebgewesenen Landesfürsten zwar eine Gnad versprochen, an unserem Geschoß etwas gut zu tun, aber bishero noch nichts deswegen genossen.

3. Wird von den zeitigen Förstern unsere Kuhhute am Reinhardswald sogar eingebunden in regarde des Wildes, daß unsere Viehzucht dadurch geschmälert und fast keine Nahrung mehr haben kann".

Eine Entschädigung in Form von Steuernachlässen ist also bisher auch noch nicht geschehen, obwohl die Viehzucht durch die in Verlust gegangenen Huteplätze so weit zurückgegangen war, daß von einer solchen wohl fast nicht mehr gessprochen werden konnte. Dazu kam, daß die Hombresser und Udenhäuser die Kuhhute so sehr mit ihren Schafen eingenommen hatten, daß dadurch Schäden am Viehbestand enstanden waren.

In der Katastervorbeschreibung Grebensteins von 1776 sind in städtischen Diensten zwei Schweine- und zwei Kuhhirten.

a)    Schweinehirten

Das Borstenvieh wurde von den Sauhirten in die Eichengehölze getrieben, wo es sich von dem dürftigen Graswuchs und dem Gewürm des Bodens nährte. Wenn im Herbst die Eicheln fielen, konnten die Schweine sich "feisten". Da die Waldhütung nur einer bestimmten Zahl an Schweinen Futter bot, achtete man streng darauf, daß kein Hof seine vorgeschriebene Kopfzahl überschritt und nicht zuviel Eichen abgeholzt wurden. Das geringe Fett, das die Schweine in den Wäldern ansetzten. rannten sie sich auf der Futtersuche wieder ab, so daß man einen Zentner schwere Schweine schon als feist bezeichnen konnte. An den rauhborstigen Biestern war nicht viel dran. Sie sahen dem Wildschwein ähnlicher als dem heutigen Hausschwein. Neben dem Pflichtschwein für den Grundherrn reichte der restliche Schweinebestand gerade für den Eigenbedarf der Höfe aus.

  1. der kleine Schwein. Er wird ab 1625 genannt. Seine Frau stirbt als "die kleine Schwein" am 15. Oktober 1626.
  2. Daniel Moller (+Grebenstein Januar 1633). Sauhirte von 1628 bis 1633. Er war auch Nachwächter. Er hat 1628 zu den Kriegslasten mit 20 Talern beizutragen.
  3. Heinemann, der Schwein (*Burguffeln um 1600, +Grebenstein Februar 1630).
  4. Henrich Bönning (*um 1645). Er war 1688 Schweinehirte.
  5. Jost Henrich Herboldt (*Grebenstein 19. April 1698, +nach 1731).
  6. Christoph Arend (*Niedermeiser 1709, +Grebenstein 22. Oktober 1790).
  7. Johann Henrich Herboldt (*Grebenstein 24. Juni 1714, +Grebenstein 16. Mai 1785). Er zahlt im Winter 1736 für Holzdiebstahl im Langenberg 13 alb. Strafe.
  8. Wilhelm Eichel (*1718, +Grebenstein 26. Januar 1780). War noch 1754 Schweinehirte in Schachten, dann später in Grebenstein.
  9. Johann Henrich Hunold (*Grebensten 1. Dezember 1719, +Grebenstein 18. Dezember 1786).
  10. Johann Philipp Kepper (*Schachten April 1746, +Grebenstein 29. Januar 1819). War auch Kuhhirte.
  11. Johann Christoph Herbold (*Grebenstein 7. Mai 1748, +Hofgeismar nach 1798).
  12. Valentin Pfeiffer (*Hohenkirchen 1. September 1820, +Grebenstein 6. Februar 1886).
  13. Christian Pfeiffer (*Grebenstein 18. September 1848, +Grebenstein 15. Juni 1912).

b)    Ziegenhirten

  1. Conrad Pfeiffer (*Grebenstein 21. Januar 1718, +Grebenstein 27. Januar 1794).

c)    Kuh- und Rinderhirten

  1. Johann Lutteruff (*Altenhasungen 1691, +Grebenstein 12. März 1770). War auch Schäfer und Ackermann. 1748 wird ihm, da er ein Hirte ist, das Beiwohnergeld erlassen.
  2. Johann Christoph Hunold (*um 1722, +Grebenstein 31. Mai 1792).
  3. Johann Philipp Kepper (*Schachten April 1746, +Grebenstein 29. Januar 1819). War auch Schweinehirte.
  4. Conrad Knauff (*1750, +Grebenstein 30. März 1784).
  5. Thomas Herbold (*Hombressen 9. Juni 1750, +Grebenstein 10. Januar 1815). Er muß 1797 wegen ordnungswidrigen Hütens an das Stadtgericht 13 alb. Buße zahlen.

d)    diverse nicht näher spezifizierte Hirten

  1. Burges, der Hirte (+Grebenstein 18. Dezember 1631).
  2. Johann Henrich Thöne (*Ostheim 1740, +Grebenstein 1823). War auch Schäfer und Ackerknecht.
  3. Johann Henrich Thöne (*Grebenstein 24. Mai 1777, +Grebenstein 4. März 1855). War auch Ackerknecht.
  4. Bernd George Schwarz (*Grebenstein 30. Oktober 1791, +Grebenstein 19. November 1873).