Zu den bekannten und markanten Persönlichkeiten des Volkslebens in Stadt und Land während des 19. Jahrhunderts gehörte der Nachtwächter. Allerdings stand dessen Romantisierung immer oder fast immer im Gegensatz zu seinen Lebensumständen: Die Nachtwächter waren fast immer die Ärmsten - in den Dörfern meist die Gemeindehirten und in den Städten oft Abdecker/Schinder. Früher als in den Dörfern wurde die Arbeit der städtischen Nachtwächter reglementiert, schrieb man ihnen vor, welche Runden wann, wie und wie oft zu gehen waren und worauf die Nachtwächter besonders zu achten hatten. Sie sollten möglichst als "eine Respektsperson im Auftrage der Obrigkeit" erscheinen. Das konnten sie jedoch nur unvollkommen sein, da sie vom Sozialstatus her gesehen dazu gar nicht in der Lage waren; sie lebten am oder sogar unter dem Existenzminimum. Die Versuchungen zu kleinen Übertritten wie Mundraub oder ähnlichem waren allgegenwärtig, deshalb wurden nicht ohne Bedacht für verschiedene Wachvergehen sehr differenzierte Strafen angedroht, die aus gutem Grund ständig in Erinnerung gebracht wurden.

Pfänden konnte man weder den Besitz eines Nachtwächters, noch dessen Vergütung. Ersterer war, wenn überhaupt, kaum vorhanden, letztere ohnehin derartig gering, daß nicht noch mehr davon abgezogen werden konnte, ohne den Nachtwächter sozial abfedern zu müssen, dies unter Umständen auf Kosten der Gemeinde. Mancher Nachtwächter mag da wegen einiger Pfennige Schweigegeld manches nicht gesehen haben... . Da sie als Bestätigung ihrer Wachsamkeit ständig auszurufen hatten, wußten sich die "Lichtscheuen" bei ihren nächtlichen Aktivitäten auf jeden Fall darauf einzustellen. Nachtwächter waren überall in Stadt und Land auch "feuermeldende Ortspolizisten", die mitunter noch besondere Aufgaben zu erfüllen hatten. Dörfliche Nachtwächter hatten meist größere Reviere, weil sie auch noch die Feldflur mit zu bewachen hatten, wegen Wildschäden wie auch Felddiebstählen. Während die Runden im kalten Winter schnell gelaufen wurden, waren sie in der Obstzeit sicher nicht allzu hastig. Der Nachtwächterdienst war einfach, solange es keine Kriegs- oder Krisensituationen gab; wenn nicht Räuberbanden oder Seuchen das Leben der Ortsbewohner verunsicherten und erschwerten. In solchen Fällen hatten die zu Frondienstleistungen Verpflichteten die Rittergüter zu bewachen und gegebenenfalls zu verteidigen.

Damit die Nachtwächter nicht schlafend die Nächte verbrachten, hatten sie in vielen Fällen die vollen, in den Städten auch oft die halben Stunden auszurufen. Damit standen sie immer unter der Kontrolle der Öffentlichkeit, konnten sich aber gegen Provokationen und Unterstellungen ebenso wenig wie gegen Schabernack und Bösartigkeit wehren. Waren die Aufgabe auch in Stadt und Land sehr ähnlich, so waren die Dorfbewohner immer die ärmeren, auch den Kleinstädtern gegenüber.

Die Arbeit der Nachtwächter war meist eine Sache des Vertrauens, dafür wurden sie - wenn sie nicht sowieso Gemeindehirten waren - häufig dem Schulmeister (Lehrer) gleich - von den besitzenden Bauern nicht als ihresgleichen betrachtet und eher mit Naturalien als mit Geld abgefunden. Auch der Lohnmodus schwankte oft zwischen vierteljährlicher und jährlicher Abrechnung. Sozial gesehen waren sie immer "vertraglich gemietete Besitzlose" mit den Aufgaben, die Besitzenden und deren Besitz zu schützen. Die Tendenz war, ihnen zusätzliche Aufgaben aufzubürden, wogegen sie sich zur Wehr setzen mußten. Äußerlich hat man den Nachtwächter oft "bewaffnet" - mit einer meist alten Stangenwaffe - Hellebarde, Spieß, Sponton. Unerläßlich waren das Rufhorn, das sehr häufig ein Kuhhorn war und eine Sturmlaterne in der dunklen Jahreszeit. Auch als um 1830 die preiswerten Stearinkerzen nach und nach in Gebrauch kamen, haben sich die Nachtwächter noch lange mit Rüböl- oder Talgfunzeln beholfen. In den Dörfern verloren die Nachtwächter ihre Existenzberechtigung dadurch, daß nach der Ablösung aller feudalen Verpflichtungen und der Schaffung des privaten Eigentums jeder für seinen Besitz selbst verantwortlich wurde. Dadurch hörte die alte Dorfgemeinschaft der voll berechtigten Bauern auf zu existieren, Gemeindehirt und Nachtwächter wurden überflüssig. In den Städten übernahmen die Turner und Feuerwehrleute den Brandschutz. Gegenüber der zuerst städtischen, danach oft landes-, schließlich reichsweit auf der Grundlage der Landes- und Reichsverfassung reglementierten Polizei konnten sich die, von der Bürgergemeinde bis Mitte des 19. Jahrhunderts bestellten Nachtwächter, nicht behaupten. Aus ihnen wurden romantisch bis liebevoll verklärte Figuren der sogenannten "guten alten Zeit". Feuer- und Bewegungsmelder sowie Sicherheitsdienste sind an die Stelle der Nachtwächter getreten. Allein in der Umgangssprache hat sich der "Nachtwächter" erhalten als ein verschlafener Hinterwäldler.

Der Nachtwächter 

um 10 Uhr 
Hört, Ihr Herrn, und laßt euch sagen, Die Glocke hat nun zehn geschlagen. Zehn Gebote setzt' Gott ein; Gib, daß wir gehorsam sein. Menschenwachen kann nichts nützen, Gott muß wachen, Gott muß schützen. Herr, durch deine Güt' und Wacht Schenk' uns eine gute Nacht. 
um 11 Uhr 
Hört ihr Herrn, und laßt euch sagen, Die Glocke hat nun elf geschlagen. Elf ist der Apostel Zahl, Die da lehrten überall. Menschenwachen usw. 
um 12 Uhr 
Hört ihr Herrn, und laßt euch sagen, Die Glocke hat nun zwölf geschlagen. Zwölf, das ist das Ziel der Zeit; Mensch, bedenk' die Ewigkeit. Menschenwachen usw. 
um 1 Uhr 
Hört ihr Herrn, und laßt euch sagen, Die Glocke hat nun eins geschlagen. Eins ist allein der ein'ge Gott, Der uns trägt aus aller Not. Menschenwachen usw. 
um 2 Uhr 
Hört ihr Herrn, und laßt euch sagen, Die Glocke hat nun zwei geschlagen. Zwei Wege hat der Mensch vor sich; Herr, den rechten führe mich. Menschenwachen usw. 
um 3 Uhr 
Hört ihr Herrn, und laßt euch sagen, Die Glocke hat nun drei geschlagen. Dreifach ist, was heilig heißt, Vater, Sohn und heil'ger Geist. Menschenwachen usw. 
um 4 Uhr 
Hört ihr Herrn, und laßt euch sagen, Die Glocke hat nun vier geschlagen. Vierfach ist das Ackerfeld, Mensch, wie ist dein Herz bestellt. Auf, ermuntert eure Sinnen! Denn es wacht die Nacht von hinnen. Danket Gott, der uns die Nacht Hat so väterlich bewacht. 

die Grebensteiner Nachtwächter

1633; Daniel Moller (+Grebenstein Januar 1633). Er war auch Sauhirte von 1628 bis 1633. Er hat 1628 zu den Kriegslasten mit 20 Talern beizutragen.
1676; N.N. Bernhardt
1676-1694; Johannes Hubert/Huffert (*um 1645, +Grebenstein vor 1704).
1698-1738; Hermann Attlen (*um 1670, +Grebenstein 25. Juli 1738). Er war zusätzlich als Schäfer tätig.
1706-1735; Johann Henrich Starke (*Grebenstein 21. November 1683, +Grebenstein 29. September 1735).
1723-1725; Johannes Meier (* um 1697, +Grebenstein vor 1731). Er war Ziegenhirte.
1740-1748; Johannes Schmidt der jüngere (*Grebenstein 10. Februar 1675, +Grebenstein 27. März 1752). Er war in seinen jüngeren Jahren als Leineweber tätig.
1777-1806; Johannes Starke (*Grebenstein 11. Januar 1744, +Grebenstein 1806). War ebenfalls als Tagelöhner tätig.
bis 1758; Steffan Henze (*Grebenstein um 1676, +Grebenstein 14.12.1758 "der alte Nachtwächter"). Er war früher auch als Leineweber tätig.

 

die Torhüter/Pförtner

Zu jedem der 6 Grebensteiner Stadttore gehörte auch ein Pförtner oder Torhüter. Viel ist uns über sie nicht überliefert. Sie hatten bei Sonnenuntergang die Tore zu schließen und zu bewachen, sowie diese dann bei Sonnenaufgang wieder zu öffnen. Sie kontrollierten die Personen, die die Stadt verließen und die, die die Stadt betreten wollten. Uns ist aus dem Jahr 1428 überliefert wieviel der Pförtner als Lohn bekam. Dort heißt es:  "dem stadtporten vor dem Burgthore III d [=3 Denare]".

1455; Hanns der Portener. Er gibt für Land zu Oberhaldessen 2 Denar an Steuerabgaben.
um 1600-1630; Curdt/Cunrad Breul (*Grebenstein um 1570, +Grebenstein Februar 1630).
1625; Bertt "der Portner" (+Grebenstein 11. April 1625).
1628; Henrich "der Pörtner" (+Grebenstein 1. Februar 1628).
1637; Nolte von Lemgo, "der Pförtner" (*Grebenstein um 1585, +Grebenstein 28. November 1637). Er war auch Stadtbote.
1657-1675; George Peter (*um 1630, +Grebenstein 13. September 1675). Er war Pförtner auf dem Schachter Tor.
1664-1675; Johann Kramer,  "der Pfortner uf dem obern Tor" (+Grebenstein 17.9.1675).
1716-1745; Johann Henrich Schwarz (*Grebenstein 21. Februar 1675, +Grebenstein 7. Juli 1745). Er war auch der städtische Totengräber.
1740; Anna Gerdruth Arend, geb. Hartmann (*Grebenstein 18. April 1690, +Grebenstein nach 1740). Sie war der bisher einzige weibliche Pförtner.
1748-1776; Stephan Büße (*Grebenstein Juni 1706, +Grebenstein 18. Februar 1776). Er auch als Schäfer tätig.
1758; N.N. Thele (+nach 1758). Wird 1756 als Torwohner genannt.

 

die Turmhüter

In einer Glockeninschrift heißt es: "... ist der Kirchthorne durch Versumung des Thornhoeters angestochen und das Holtwerck sampt den Glocken gansz zho nicht geworden ...". Der Turmhüter hatte also den Brand des Turmes am 14. September 1586 nicht verhindern können. Dieser wohnte oben auf dem Turm in einer extra für ihn bestimmten Kammer. Noch bis ins erste Drittel des 19. Jahrhunderts versah er dort seinen Dienst. Er hatte von der obersten Galerie aus "zu den gewöhnlichen Stunden" zu blasen, da bis dahin noch keine Kirchturmuhr vorhanden war, die 1753 angeschafft wurde.

1624; "der Tornemann"
1695-1735; George Pfaff (*Grebenstein 31. März 1668, +Grebenstein 17. Mai 1741). Er war Stadtmusikus.
1735-1763; Henrich Pfaff (*Grebenstein 2. September 1697, +Grebenstein 18. Dezember 1763). Er war Organist und Stadtmusikus.
1768-1793; George Henrich Pfaff (*Grebenstein 25. September 1738, +Grebenstein 13. August 1805). Er war zudem Stadtmusikus und Organist in der Kirche.
1775; George Henrich Pfersch