Alte Münzen, Maße und Gewichte

Der Gedanke einen kleinen Aufsatz über die teilweise vergessenen Münzwerte, Maße und Gewichte zu schreiben kam mir, als ich bei meinen familiengeschichtlichen Forschungen auf Namen von Gewichten und Maßen stieß, die heute nicht mehr verwendet und vorallem nicht mehr bekannt sind.

Anfangen möchte ich mit den verschiedenen Geldbezeichnungen, welche je nach Land und Zeit erheblich unterschieden und im Grunde nicht ganz einfach auf heutige Umstände umzurechnen sind. Zur Umrechnungen des Wertes des Geldes in seiner Zeit hat Willi Vesper im Jahrbuch des Kreises Hofgeismar von 1954 eine Tabelle erstellt, die sich auf die Preise des Roggen und Hafers beziehen. Anhand dieser Tabelle kann man ersehen, wie stark die Kaufkraft des Geldes gewesen ist.

Zurück zum Münzgeld und damit auch zurück ins Mittelalter. Ein einheitliches Münzwesen gab es im Mittelalter nicht. Der Maßstab bildete daher das Silbergewicht, und die daraus geschlagenen Münzen. Bis zum 13. Jahrhundert bildete dabei der Denar oder Pfennig die gängige Währung. Die 'Mark' bildete damals das Münzgewicht und betrug 233g reines Silber. Der Ausdruck für dieses Gewicht hieß damals "eine Mark lötige/schwere Pfennige".

ein Denar aus dem Bistum Köln zwischen 1167 und 1191 geschlagen

Im Jahre 1304 wurde die Hälfte der Burg Trendelburg für 450 Mark lötigen Silbers verpfändet. Diese Angabe gibt einen ungefähren Hinweis darauf, wie stark die Kaufkraft des Silbers damals war. Die Geldwirtschaft hatte im Gegensatz zu den Grundherren für die Ackerbau treibende Bevölkerung nur wenig Bedeutung. Der Bauer entrichtete seine Abgaben mit seinen landwirtschaftlichen Erzeugnissen in natura.

Im 14. und 15. Jahrhundert wurde in Hessen mit Groschen oder Schilingen, beide aus Silber bestehend, bezahlt. Obwohl in den hessischen Verwaltungen bereits mit Gulden gerechnet wurde, gab es eine Guldenwährung (Goldmünzen) noch nicht, obwohl sie bereits in anderen Teilen Deutschlands schon eingeführt worden war. Um das Jahr 1500 herum konnte sich die Prägung von Talern durchsetzen. Diese wurden zuerst noch in Silber geprägt und hießen darum auch Guldengroschen, da auch die Groschen aus Silber bestanden.

Ein Taler wurde mit 32 Albus (=Weißpfennig) gerechnet, 1 Albus mit 12 Hellern. Obwohl es die Gulden (fl.) nun nicht mehr gab, lebte er als Münzeinheit aber weiter. Er wurde mit 26 Albus gerechnet. Neben dieser Recheneinheit gab es noch speziell für die Verwaltungen den Kammergulden (cfl.), der über einige Jahrhunderte als Einheit für Steuer und Abgaben diente. Der Kammergulden wurde mit 27 Albus gerechnet. Am 13. Mai 1735 wurde der Silbertaler bei den hessischen Behörden als Rechnungseinheit eingeführt, bis er bei Einführung der Mark abgelöst wurde.

ein Groschen aus der Zeit von 1464 bis 1484

Nach dem Scheitern des Versuchs der kaiserlichen Zentralgewalt und des Reichstages im 16. Jahrhundert, im Reich eine einheitliche Währung zu schaffen, blieben die verschiedenen Münz- und Währungssysteme bis zur Reichsgründung 1871 nebeneinander bestehen. Allerdings gab es immer wieder Versuche und Projekte zur monetären Einigung. Neben sogenannten "Münzvereinen" - beispielsweise der Rheinische Münzverein der Kurfürsten von Mainz, Trier und der Pfalz, dem die Landgrafschaft Hessen 1509 beitrat - wurden im späten 16. Jahrhundert die Reichkreise bedeutsam. Das heutige Hessen gehörte vor allem dem Oberrheinischen und dem Kurrheinischen Kreis an. Sie waren dazu verpflichtet, sogenannte Kreiswardeine zu bestellen, die die Münzen der Kreisstände, also der beteiligten Landesherren, zu untersuchten. Auf sogenannten Probationstagen und später auf den Kreistagen wurden die Ergebnisse zusammen mit der Münzpolitik von den Kreisständen diskutiert und verabschiedet.

Doch selbst diese Maßnahmen versagten immer wieder im Kampf gegen gewinnsüchtige Landesherren, die ihres Gewinn wegen den Edelmetallgehalt der Münzen verschlechterten. In der reichsweiten Geldkrise, der sogenannten "Kipper- und Wipperzeit" der Jahre 1619 bis 1623, wurde der Edelmetallgehalt vorallem der kleinen Münzwerte verschlechtert. Dies führte bei einer Hortung der größeren Münzen dann zu einer Edelmetall-Inflation. Im Laufe des 17. Jahrhunderts betrieben kleinere Terretorien in Hessen sogenannte "Heckenmünzen", illegale Münzbetriebe.

Im 18. Jahrhundert führte der 7jährige Krieg zu Münzverschlechterungen. Diesmal waren vorallem die Geldstücke betroffen, die der Entlohnung der Truppen diente.

Der wirtschaftliche Wert des Geldes und seine jeweilige Kaufkraft läßt sich am ehesten aus der Entwicklung der Fruchtpreise ersehen. Das Fruchtmaß, das bei uns vom Mittelalter bis zum Ende des hessischen Staates 1866 galt, ist das 'Viertel' gewesen. Das Viertel war ein Hohlmaß dessen Inhalt sehr geschwankt hat. Bei uns gab es das Geismarsche und das Kasseler Maß, die beide nebeneinander existierten. Das Kasseler Viertelmaß betrug 1, 6704 Hektoliter. Es enthält 16 Metzen, eine jede zu 4 Bechern. Gewöhnlich wurden die Naturalabgaben 'partim', also halb Roggen, halb Hafer, entrichtet, wobei die Haferabgabe immer etwas höher war, als die des Roggen. Aufgrund des schwankenden Feuchtigkeitsgehalts der Körnerfrüchte wurde das Viertel Roggen, z.B. 1770 in Grebenstein, mit 2 Zentnern, 1776 in Calden mit 2,4 Zentnern agegeben. Das erstere Gewicht war jedoch zu niedrig gegriffen, wohingegen das Caldener Gewicht auf einer amtlichen Ernteprobe beruhte und dem Durchschnitt bekannter Messungen entsprach.

Preis der Viertels

1540

1566

1589

1610/18

1658/83

1684/1714

Roggen

0,7 fl.

1 fl. 14. alb.

2 fl.

3 fl.

2 Rtl. 6 alb.

2 Rtl. 25 alb. 6 Hlr.

Hafer

0,33 fl.

1 fl. 1 alb.

1 fl.

2 fl.

1 Rtl. 1 alb. 4 Hlr.

1747

1774/1805

1805/15

1816/25

1826/35

1835

1846/47

1849

2 Rtl. 16 alb.

3 Rtl. 10 alb. 8 Hlr.

5 Rtl. 16 alb.

5 Rtl.

4 Rtl. 4 alb.

4 Rtl.

9 Rtl. 22 alb. 9 Hlr.

3 Rtl. 8 alb.

1 Rtl. 4 alb.

1 Rtl. 5 alb. 4 Hlr.

2 Rtl. 16 alb.

2 Rtl. 8 alb.

2 Rtl.

1 Rtl. 18 alb.

3 Rtl. 21 alb.

1 Rtl. 19 alb.

 

Es folgt nun eine Übersicht über die Umrechnungen der alten Münzwerte, Maße und Gewichte (nach Willi Vesper):

Münzen

1 Pfund (327,45g Silber) = 20 Schillinge = 240 Pfennige

1 Reichstaler = 32 Albus = 24 gute Groschen

1 Goldgulden = 40 Albus

1 Gulden = 21 Albus und 4 Heller

1 Albus = 12 Heller

1 Taler = 24 Groschen (Gold)

1 Taler = 30 Silbergroschen (seit 1821 in Preußen)

1 Steuergulden = 27 Albus; 1 Kammergulden = 26 Albus

Längenmaße

1 Schuh = 0,3139 m

1 Elle = 0,57 m

1 Rute = 14 Schuh = 12 Fuß = 3,77 m

Feldmaße

1 Quadratrute = 15,91 m

1 Kasseler Acker = 150  14shuhige Quadratruten = 23,865 Ar = 0,23865 ha

1 Gart = ¼ Acker; 1 Drigart = ¾ Acker

1 Forling = ½ Acker

1 Hufe = 30-33 Acker

Holzmaße

1 Klafter = 6 Schuh lang, je 5 Schuh hoch und breit = 150 Kubikschuh = 3,46 m3

1 Tracht = 1 Gebund Holzprügel = ca. 0,1 m3

Getreidemaße

1 Viertel = 1 Malter

1 Kasseler Viertel = 16 Metzen = 1,6 Hektoliter = 3 Scheffel

1 Metze = 2 Stübchen = 1,54 Liter

1 Viertel Roggen = ca. 2,4 Zentner

1 Viertel Weizen = ca. 2,5 Zentner

1 Viertel Gerste = ca. 2,15 Zentner

1 Viertel Hafer = ca. 1,5 Zentner

Flüssigkeitsmaße

Wein und Branntwein

1 Fuder = 6 Ohm = 240 Stübchen = 902 Liter

1 Faß = 4 Tonnen = 104 Stübchen = 390 Liter

1 Ohm = 80 Maß = 1,56 Hektoliter

1 Kandel (Kanne) = 2 Quartier = ½ Stübchen = 1,9 Liter

Bier

1 Ohm = 80 Maß = 1,75 Hektoliter

1 Tonne = 26 Stübchen = 98 Liter

1 Zober = 36 Maß = 78,48 Liter

1 Viertel = 2 Stübchen = 7,54 Liter

Öl

1 Quartier = 2 Ösel (Nösel) = ¼ Stübchen = 0,94 Liter

1 Ösel = 1 altes Pfund = 0,48 Liter

Gewichte

1 Zentner = 110 alte Pfunde

1 altes Pfund = 480g

Garnmaße

1 Faden = 1 Haspel = 4 Ellen = 2,34 m

1 Stiege = 20 Ellen = 11,68 m

1 Bind = 100 Faden (Haspel)