Auf Burg Grebenstein

von Carl R. Hellermann, Weimar/Thüringen

 

Dem Rheinstrom sagt' ich Vale,

den rhein'schen Mägdelein.

Ich zog zum Wesertale,

von dort nach Grebenstein.

 

Dorthin, wo alte Sagen

im Volksmunde geh'n,

aus längst vergang'nen Tagen

Burgtrümmer mahnend steh'n.

 

Wo einst der Burgherr thronte,

verfallenes Gestein.

Dort oben einstmals wohnte

ein edles Burgfräulein.

 

Es war des Feind's Begierde

der Reinen zarte Hand,

dazu des Landes Zierde,

die auf dem Berge stand.

 

Ein Müller voll Erbarmen

auf unterird'schem Gang

der eingeschloss'nen Armen

Brot brachte wochenlang.

 

Sie tät sich nicht ergeben,

litt lieber bitt're Not.

Burgfräuleins junges Leben

erlöste bald der Tod.

 

In einer Goldkarosse

im weißen Festgewand

hart an des Burgbergs Schlosse

stürzt sie vom Felsenrand.

 

Alljährlich viele gehen

zum alten burggestein

und wollen nächtens sehen

das weiße Burgfräulein.