Abschrift der Urkunde vom 8. Juli 1272
1272 Juli 8
Gerlach, Herr von Limburg (Limpurg), und Eberhard genannt Reiz, Herr von Breuberg (Bruberg), bekunden, daß der erlauchte Fürst (illustris priceps) Heinrich, Herr von Hessen, und Siegfried, Domprobst zu Mainz, sich auf sie als Schiedsrichter über alle zwischen dem Erzbischof und dem Erzstifte Mainz einerseits und dem Landgrafen andrerseits schwebende Streitfragen geeinigt haben: Sie bestimmen, daß der Landgraf als Ersatz für alle den Klöstern, Kirchen und Geistlichen durch Brand, Raub, Beutemacherei, unberechtigte Steuererhebungen, Mord und besonders durch Wegnahme von Vieh in Battenberg (Battenburg) und Eintreibung von Lösegeld (solutio pecunie) von den in dem Treffen (conflictus) bei Karlskirche (Karliskirken) Gefangenen zugefügten Schäden dem Domprobst für das Erzstift Mainz 500 Mark in Amöneburg (Amelburg), Marburg (Marpurg), Grünberg (Grunenberg), Wetzlar (Wetflaria) und Friedberg (Vrideberg) üblicher oder sonst gebräuchlicher Kölner Pfennige zu gleichen Teilen an den nächsten beiden Weihnachtsfesten zu erlegen hat. Der Landgraf setzt für die richtige Zahlung dieser Summe folgende Ritter zu Bürgen: den Edlen Gerlach genannt Reiz, Herrn von Breuberg (Bruberg), Johann genannt Gulden (Guldene), Rupert von der Nuhne (de Nuna), Ludwig von Romrod (Romerode), Emmerich genannt Strebekotz (Strebekoz) und Friedrich von Langenstein. Außerdem will der Landgraf bis kommenden 11. August (in crastino b. Laurencii) weitere vier Ritter als Bürgen bennnen; etwaige Ersatzbürgen muß er binnen Monatsfrist stellen. Ist der Landgraf zu jenen Terminen mit der Zahlung säumig, so muß er selbst mit seinen Bürgen in Friedberg (Fredeberg) oder in Wetzlar zum Einlager bis zur vollkommenen Abtragung der Schuld einreiten. Der Landgraf und seine Bürgen sind zur Innehaltung dieses Vertrages verpflichtet, selbst wenn vor Erlegung jener 500 Mark Streitigkeiten zwischen ihm und dem Domprobst entstehen sollten. Die beiden Schiedsrichter behalten sich die genaue Begrenzung (diffiniciones) der Burgen Schartenberg (Scardenberg) und Grebenstein (Grevensteine) sowie des Gerichtes an der Hainbuche (jurisdicitionis seu judicii in Hainbuche), die Erledigung der strittigen Fragen über den Grafen Ludwig von Ziegenhain (Zigenhagene) und über die Witwe Graf Gottfrieds von Ziegenhain sowie andere noch zu verkündigende Artikel für den kommenden 11. August vor.
- Siegler: 1. Gerlach, Herr von Limburg, 2. Eberhard genannt Reiz, Herr von Breuberg. - Datum: a. et pronunciatum 1272 VIII Idus Julii.